Pünktlich zu Weihnachten möchte ich mich noch einmal bei euch melden und euch nochmals
herzlichst für die Unterstützung meines Freiwilligendienstes in Peru danken!
Ein kleiner Rückblick
Es ist Freitag später Nachmittag der 20.08.2011 und ich stehe mit zwei Koffern, die aus allen Nähten
platzen und in denen die Erinnerungsstücke aus einem Jahr mit vielen neuen Eindrücken und
Erfahrungen zusammen ohne jegliche Luftlöcher hinein gequetscht sind. Wo bleibt nur Tia Liz??? Es
wird immer später und die Straßen Limas füllen sich langsam. Normalerweise braucht man von hier
aus ca. eine Stunde bis zum Flughafen, aber in der Rushhour kann man mit 3 vielleicht sogar 4
Stunden rechnen. Zum Glück habe ich schon eingecheckt und muss nur noch das Gepäck aufgeben.
Ah… endlich - Da sind sie ja. Die Sachen schnell auf den Pickup und los geht’s und noch eben Charly
von der Arbeit abholen, denn er
wollte mich auf jeden Fall zum
Flughafen begleiten. Wir haben
Glück und die Straßen sind noch
nicht so voll, wie wir gedacht haben,
sodass wir gut durchkommen. Am
Flughafen dann die nächste Hürde.
Was zeigt die Waage an. Hoffentlich
habe ich nicht all zu viel Übergepäck.
Misst! Ganze 9 Kilo drüber. Das wären dann eigentlich so 200$. Muss ich also doch wieder umpacken
und was da lassen?? Doch der Junge Herr am Schalter ist sehr freundlich, zwinkert mir zu und sagt
mir, dass ich einfach die Flughafen gebühr noch einmal zahlen soll und das dann schon in Ordnung
gehen würde. Ich bin beruhigt und zahle mit meinen letzten Soles die umgerechnet ca. 30$. Dann ist
es Zeit Abschied zu nehmen und kurze danach sitze ich mit sehr gemischten Gefühlen im Flieger. Ich
erinnere mich an die letzte Szene im Kinderdorf. Ich wollte unbedingt schon los, bevor die Kinder
schon wieder aus der Schule zurück sind, um eine allzu traurige Abschiedsszene zu vermeiden. Wie
das nun mal so ist, kommen wir doch erst 2 Stunden später los und als wir mit all meinen Sachen
hinten auf dem Pickup sitzen dreht Tio Hibo noch einmal eine Extrarunde und hubt alle aus den
Häusern. Also springe ich wieder ab und muss mich schweren Herzens erneut in einem Meer von
Umarmungen verabschieden. Auf der anderen Seite denke ich auch an all die, die ich nach so einer
langen Zeit wieder in meine Arme schließen kann und freue mich auf zuhause. Um mich abzulenken
schaue ich einen Film und schlafe dabei ein.
Als ich aufwache befinden wir uns im Landeanflug auf
Amsterdam. Nach kurzem Aufenthalt geht es dann weiter nach Hamburg, wo ich ganz herzlich von
meinen Eltern und meiner Freundin empfangen werde. Wie versprochen, bekomme ich mein lang
ersehntes Störtebäckerweizen und wir machen uns auf den Weg nach Wildeshausen. Mir wird
mitgeteilt, dass wir gleich noch zu meinem besten Freund Sascha fahren, um dort gemeinsam Abend
zu essen. Also mach ich mich schnell frisch und wir fahren los. Schnell merke ich, dass meine Mutter
in die völlig falsche Richtung fährt und ich ahne, was da wohl auf mich zukommen wird. Und
tatsächlich, wie vor einem Jahr bei meiner Abschiedsfeier, alle sind sie gekommen. Ich werde von
allen meinen Freunden begrüßt und mit Willkommensgeschenken überhäuft. Es war wirklich ein
schönes Gefühl, nach so langer Zeit, endlich alle wieder in die Arme schließen zu können. Wir
feierten gemeinsam bis tief in die Nacht hinein.
Nun bin ich seit ca. 4 Monaten wieder zurück in
Deutschland. Und mittlerweile habe ich mich
wieder richtig eingelebt. Die Umstellung ist mir
allerdings längst nicht so leicht gefallen, wie ich
es mir vorgestellt habe. Ich denke das ist
natürlich auch eine Einstellungssache. Wenn
man in ein unbekanntes Land mit einer
fremden Kultur aufbricht, dann stellt man sich
natürlich darauf ein, dass vieles neu und anders
sein wird. Als ich allerdings zurück kam, bin ich
mit dem Gefühl, in eine bereits vertraute Welt aufzubrechen, ins Flugzeug gestiegen. Angekommen
war ich natürlich überrascht, dass doch alles ein wenig fremd war. Ich musste mich an Einiges
zunächst erst wieder gewöhnen und vor allem in den ersten Wochen fiel mir das gar nicht mal so
leicht. Sicherlich hat sich auch hier einiges verändert, aber vor allem habe ich mich an vieles in Peru
einfach gewöhnt und ganz klar, auch ich habe mich in der Zeit stark verändert. Vor allem fällt mir das
auch heute noch bei so vielen Kleinigkeiten im Alltag auf. Einige Dinge, die vorher selbstverständlich
für mich waren, weiß ich nun sehr viel mehr zu schätzen.
Oft denke ich an die Kids im Dorf zurück und frage mich, was sie denn gerade so machen. Zum Glück
habe ich ab und zu Kontakt mit einer Freiwilligen, die jetzt im Kinderdorf ist. Und im Zeitalter von
Facebook und Co, kann ich auch mit einigen der Jugendlichen aus dem Dorf oder Freunden aus Lima
Kontakt halten.
Wie wird es denn jetzt mit mir weitergehen?
In Lüneburg habe ich mich sehr gut eingelebt und viele nette Leute kennenlernen können. Ich wohne
sehr zentral, genau in der Fußgängerzone und Lüneburg ist wirklich eine sehr schöne Stadt. Super für
mich ist es, dass einem meiner Mitbewohnerinnen aus El Salvador kommt und wir oft Spanisch in der
WG sprechen. Auch der Studiengang macht mir Spaß. Ich studiere BWL und
Nachhaltigkeitshumanwissenschaften an der Leuphana Universität. Außerdem kann ich in dem für
Deutschland einzigartigen Studienmodell der Uni Lüneburg viele Kurse in interdisziplinären Fächern
belegen und so auch kulturelle, sowie sprachliche Module wählen. Vor kurzem habe ich sogar
mitbekommen, dass es zwei Partneruniversitäten in Lima gibt. Und ich spiele mit dem Gedanken
vielleicht die Möglichkeit zu ergreifen und für ein Auslandsemester zurück nach Lima zu gehen.
Ich wünsche euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das kommende Jahr.
Ganz ganz lieben Gruß
Simon








